Deutschlandfunk, Forschung-aktuell, 23.10.2003
Implantate mit Hilfe von Fliesstoffen
Aachener Forschungsvorhaben untersucht Brustimplantate mit Polymerfliesen
Medizintechnik. - In vielen Bereichen der plastischen Chirurgie besteht großer Bedarf an Ersatzgewebe, denn dem Patienten selbst kann man nicht unbegrenzt Gewebe wegnehmen. Ein Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Aachen will jetzt Gewebe für Brustimplantate mit Hilfe von textilen Gerüsten erproben.
Brustkrebspatientinnen, die eine Brust verloren haben, stehen danach vor einer schwerwiegenden Entscheidung. Wollen sie diese rekonstruiert bekommen, müssen sie einen erneuten schweren Eingriff erdulden, denn ihnen wird aus dem Rücken operativ ein Gewebelappen entfernt, der für die neue Brust verwendet wird. Am Aachener Universitätsklinikum versucht daher eine interdisziplinär und international zusammengesetzte Forschungsgruppe von plastischen Chirurgen und Textilfachleuten, das Rückengewebe durch Zellgewebe auf einem textilen Gerüst zu ersetzen. Projektleiter Dennis von Heimburg: "Unser Fernziel ist es, noch besseres Gewebe, als wir das mit diesen Lappen-Plastiken machen können, zur Verfügung zu stellen. Also ein Gewebe zu formen, das letztlich dem Körperorgan, das wir herstellen wollen, entspricht."
Die Brust würde mit Fett-Vorläuferzellen nachgebaut, leeren Fettzellen, die noch keine Lipide eingelagert haben. Diese Zellen können aus dem eigenen Fettgewebe gesaugt und im Reagenzglas vermehrt werden. Dann würden sie in einen Träger eingelagert und im Körper der Patientin zum Wachstum angeregt. Heimburg: "Die Zellen müssen gut mit Nährstoffen versorgt werden und ausreichend Platz finden sich zu dehnen und vielleicht auch noch ausreichend Wachstumsfaktoren und andere stimulierende Faktoren erhalten." Dieses Gerüst wird von einem Flies aus biokompatiblen Polymeren gebildet, die bereits für den Einsatz in der Medizin zugelassen sind. In diesem Flies bilden die Kunststofffasern ein dichtes dreidimensionales Netz, in das sich die Zellen einlagern können. Aus dem Flies sollen je nach Größe des Gewebeschadens Stücke ausgestanzt werden, die dann mit den Vorläuferzellen besiedelt, in vivo mit Vorläuferzellen besiedelt und an ein Blutgefäß des Patienten angeschlossen werden. Heimburg: "Also es muss schon ein Blutgefäß sein, das eine gewisse Größe hat. Und um dieses Blutgefäß herum würde man diese Brust züchten. Zum Beispiel in einer Kammer, in einer Dose, einfach gesagt, die dieses Gefäß durchzieht, und das könnte gefüllt sein mit unserem Textil. Und dort gibt man die Zellen dann ein - durch die Haut nach und nach - und lässt diese Brust entstehen." Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Die Forscher können derzeit die Fettzellvorläufer erst auf einem 1,5 Millimeter großen Fliesstück mit Nährstoffen versorgen. Die ersten Tierversuche sind in zwei Jahren geplant.