Frankfurter Rundschau Wirtschaftsspiegel, 12. Juli 2003
Diagnose, Behandlung und Nachsorge in einer Hand
HNO und Plastische Chirurgie in gemeinsamer Praxis
Von Anne Lorenc
Probleme mit einem Existenzgründerdarlehen hatten sie nicht, als sie bei den Banken vorsprachen, strahlt Dennis von Heimburg. Das Konzept habe überzeugt: Diagnose, Behandlung und Nachsorge in einer Hand, ohne lange Wartezeiten. Raum für ambulante Operationen, Belegbetten in zwei Krankenhäusern und ein Netzwerk zu ortsansässigen Fachärzten sowie zu aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen an ihren Herkunfts-Universitäten.
Eine Kombination von Angeboten, die nicht alltäglich ist: "HNO-Ärzte und plastische Chirurgen sind meistens spinnefeind", sagt der 36-jährige Mediziner, der als Privat-Dozent in Aachen lehrt und an der dortigen Uni-Klinik Leitender Oberarzt der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie war.
Zumindest für ihn persönlich trifft die Behauptung nicht zu: Ehefrau Wibke von Heimburg, 33 Jahre alt, ist HNO-Ärztin und mit im Boot, ebenso wie Thomas Fischer, die Personalunion der verfeindeten Fachgebiete. Der 39-Jährige, ehemals leitender HNO-Oberarzt an den Städtischen Kliniken Höchst und im Vorstand eines Verbandes für Kehlkopflose, ist Facharzt für HNO-Krankheiten und für plastische Chirurgie.
Der Vorteil der Praxis-Symbiose liegt für die Partner auf der Hand: Bei Tumoren oder Fehlbildungen könne sowohl operiert als auch chirurgisch wieder aufgebaut werden. Beispielsweise bei einer Patientin mit Ohrspeicheldrüsentumor könnten beide Schritte in einer Operation erledigt werden. Eine solche Arbeitsweise komme aber nicht nur den Patienten, sondern auch den Krankenkassen zugute, erläutern die Ärzte. Das Ziel heiße operieren, "vernünftig" rekonstruieren und danach erst "ästhetisch aufbauen".
Ästhetische Chirurgie wie Bruststraffung, Fettabsaugen, Nasenverschönerungen oder Faltenbehandlung sind zwar ebenfalls im Angebot, stehen aber nicht im Mittelpunkt, wie betont wird. Keinesfalls wollen die Fachleute mit "Schönheitschirurgen" in einen Topf geworfen werden. Diese Berufsbezeichnung sei nicht gesetzlich geschützt. Die Ergebnisse bekämen sie als Gerichtsgutachter häufig genug zu sehen.
Für seine Patienten hat das Dreierteam ein beeindruckendes Faltblatt drucken lassen, damit sie von der modernen Atmosphäre der Praxisräume und dem relativ jugendlichen Alter der Doctores nicht abgeschreckt werden.
Dennis von Heimburg - wie Thomas Fischer Frankfurter - hat an der Goethe-Universität und der Havard Medical School in Boston studiert und war vor seiner Karriere in Aachen am Markus-Krankenhaus in Frankfurt beschäftigt. Er kann auf immerhin 70 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften und Fachbüchern verweisen. Von Heimburg arbeitet mit bei einem EU-Forschungsprojekt, das versucht, Fettzellen in der Retorte zu züchten - unverzichtbar in der Rekonstruktions-Chirurgie. Sein Ziel: "Wir müssen weg vom Silikon-Implantat."
Thomas Fischer verweist ebenfalls auf sein Studium an der Goethe-Uni und einen Gastaufenthalt in Beverly Hills, USA. Wibke von Heimburg studierte in Aachen und London und hat ebenfalls in Höchst und in Neuss gearbeitet. Sie bringt eine Zusatzausbildung für Stimm- und Sprachstörungen mit ein.
Nach den Sommerferien wollen sie anfangen, alle zwei Monate Informationsabende für Patienten und Kollegen anzubieten. Effizienz ist eines der Lieblingsworte der Praxisinhaber. Nicht nur, dass sie ihre Patienten nicht lange warten lassen wollen zwischen den einzelnen Behandlungsschritten. Sie wollen auch auf die Kosten achten: "Für das Geld, das Unikliniken für einen Patienten ausgeben, können wir drei behandeln." Nicht zuletzt, weil sie Synergie-Effekte nutzen. Sie teilen sich die Etage mit einer Consulting-Firma und mieten je nach Bedarf einen Tagungsraum dazu.
• Praxisklinik Kaiserplatz, Kaiserstraße 14 (Eingang Kirchnerstraße 2), Telefon 069 / 92 88 47 - 47. Im Internet unter www.praxisklinik-kaiserplatz.de.